Starke Zunahme von Knochenbrüchen bei älteren Menschen: AltersTraumaZentrum gegen Versorgungsmangel

20. Juni 2017

Das St. Elisabethen-Krankenhaus und das Universitätsklinikum Frankfurt haben in diesem Jahr gemeinsam ein AltersTraumaZentrum gegründet, das jetzt zertifiziert wurde – ein Schritt zur Beseitigung der Unterversorgung in der Region und darüber hinaus.

Der demografische Wandel stellt auch die Unfallmedizin vor besondere Herausforderungen. Das Fachgebiet hat es mit einer deutlich wachsenden Zahl von Menschen gehobenen Alters zu tun, die sich besonders häufig verletzen. Hinzukommt kommt, dass ältere Menschen auch besondere Anforderungen haben: Knochenheilung sowie operative und physiotherapeutische Behandlungsweise unterscheiden sich von jüngeren Patienten. Deswegen ist eine spezifische Versorgung erforderlich. In ganz Deutschland bestehen bislang nur 59 Alterstraumazentren. Das St. Elisabethen-Krankenhaus und das Universitätsklinikum Frankfurt bieten nun eine weitere interdisziplinäre Versorgung mit dieser neuen Spezialeinrichtung an. Eine Besonderheit ist dabei auch der Zusammenschluss mehrerer Häuser und Fachkliniken. Die besondere Eignung und die spezifischen Behandlungspläne für ältere Patienten wurden am 12. April offiziell als AltersTraumaZentrum zertifiziert.

Prof. Ingo Marzi, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, erklärt: „Durch den Zusammenschluss der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums mit der geriatrischen Abteilung des St. Elisabethen-Krankenhauses können wir in Zukunft ganz individuell auf die Bedürfnisse älterer Patienten eingehen. Die am Uniklinikum breit vorhandene medizinische Expertise wird durch den frühen Kontakt schon während des stationären Aufenthaltes durch die geriatrische Expertise erweitert. So können gezielt vorhandene Begleiterkrankungen schon für die Rehabilitation berücksichtig werden, um eine komplikationsfreie Wiedereingliederung ins eigenständige Leben im häuslichen Umfeld zu gewährleisten.“

Dr. Christoph Brier, Oberarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am St. Elisabethen-Krankenhaus, ergänzt: „Wir stellen mit dem AltersTraumaZentrum eine nahtlose Versorgung der Patienten sicher. Das wird unter anderem durch die Visiten unserer Unfallchirurgen auf der geriatrischen Station ermöglicht. Da wir am St. Elisabethen-Krankenhaus als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung zertifiziert sind, ermöglichen wir auch eine kompetente endoprothetische Versorgung.“

 

Massiv steigender Bedarf aufgrund des demografischen Wandels

Die Altersstruktur verändert sich in den kommenden Jahren deutlich. Bis zum Jahr 2050 wird die Bevölkerung in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um rund sieben Millionen Menschen auf insgesamt 75 Millionen schrumpfen. Das Durchschnittalter steigt gleichzeitig um rund sieben Jahre. Der Anteil der älteren Bevölkerung ab 65 Jahren wird von gegenwärtig 21 auf 29 Prozent im Jahr 2030 steigen. Mit zunehmendem Lebensalter steigen aber auch das individuelle Krankheitsrisiko und die Gefahr von Knochenbrüchen. Ein Drittel der über 65-Jährigen stürzt im Schnitt einmal pro Jahr. Aktuell erleiden jährlich etwa 160.000 Menschen eine Schenkelhalsfraktur. Diese Zahl wird sich voraussichtlich in den kommenden Jahren verdoppeln. Viele Patienten sind nach der Fraktur pflegebedürftig, leiden unter psychischen Erkrankungen oder versterben.

Der Grund für das erhöhte Risiko ist, dass die Knochenelastizität und die Knochenfestigkeit mit jedem Jahr sinken und der Knochen brüchiger wird. Zudem leiden ältere Menschen häufig unter abfallender Kognition und Wahrnehmungsfähigkeit. Das heißt: Sie sehen schlechter, sie hören schlechter und ihr Verständnis nimmt ab, was in ihrem Umfeld passiert. Auch die Reflexe funktionieren nicht mehr so gut und abnehmende Muskelkraft reduziert die Schutzmechanismen.

Diesem massiv steigenden Bedarf steht eine Unterversorgung gegenüber: In ganz Hessen gibt es insgesamt nur fünf Alterstraumazentren und Frankfurt ist erst die vierte zertifizierte Universitätsklinik in Deutschland.

 

Einzigartiges Angebot dank Zusammenschluss

Damit ältere Patienten nach einem Unfall so gut wie möglich genesen können, benötigen sie ein auf sie zugeschnittenes Behandlungsangebot. Es ist erforderlich, diese Patienten sowohl unfallchirurgisch als auch geriatrisch, also altersmedizinisch, zu versorgen. Im jetzt zertifizierten Alterstraumazentrum haben sich die Klinik für Geriatrie und die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des St. Elisabethen-Krankenhauses mit der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Frankfurt zusammengeschlossen. Eingebunden sind darüber hinaus die Ergotherapie, Logopädie und Psychologie. Die Beteiligten der verschiedenen Fachbereiche kooperieren eng, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Gemeinsam mit den Ärzten sorgt ein Team aus Physiotherapeuten, Sozialarbeitern und weiteren Spezialisten für eine abgestimmte Behandlung und eine patientenorientierte Weiterversorgung – auch nach der Entlassung aus dem Zentrum.

Die besondere Behandlung in einem zertifizierten Alterstraumazentrum hat unter anderem zum Ziel, die Selbständigkeit und die individuelle Unabhängigkeit des verletzten älteren Menschen zu erhalten oder wieder herzustellen.

Komplikationen, wie Muskelabbau, Lungenentzündung, Druckgeschwüre oder Bettlägerigkeit wird gezielt entgegengewirkt. Vom Beginn der Behandlung an wird die Physiotherapie eingebunden. Nicht zuletzt die Beteiligung der Universitätsmedizin garantiert zudem die kontinuierliche Weiterentwicklung des Angebots.

Über das Universitätsklinikum Frankfurt

Das Universitätsklinikum Frankfurt, gegründet im Jahr 1914, zählt zu den führenden Hochschulkliniken Deutschlands. Es bietet seinen Patientinnen und Patienten eine bestmögliche medizinische Versorgung in 32 medizinischen Kliniken/Instituten. Der enge Bezug zur Wissenschaft – Klinikum und Fachbereich Medizin betreiben zusammen 20 Forschungsinstitute – sichert den Patientinnen und Patienten eine zeitnahe Umsetzung neuer Erkenntnisse in die therapeutische Praxis. 1.302 stationäre Betten stehen zur Verfügung. Zahlreiche Institute widmen sich medizinisch-wissenschaftlichen Spezialleistungen. Jährlich werden 51.000 stationäre und 227.000 ambulante Patientinnen und Patienten betreut. Besondere interdisziplinäre Kompetenz besitzt das Universitätsklinikum unter anderem auf den Gebieten der Neurowissenschaften, Onkologie und kardiovaskulären Medizin. Auch als Standort für Organ- und Knochenmarktransplantationen, Dialyse sowie der Herzchirurgie nimmt es besondere Aufgaben der überregionalen medizinischen Versorgung wahr. Neben der Herzchirurgie besteht beim Versorgungsauftrag nach dem Hessischen Krankenhausgesetz auch in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, der Dermatologie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein Alleinstellungsmerkmal für die Region Frankfurt-Offenbach. 4.506 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Vollkraftzahlen) kümmern sich rund um die Uhr um die Patientinnen und Patienten.

 

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