Nach komplizierter OP schnell wieder fit

12. August 2016

Dernbach. Minimal-invasiver Eingriff im Herz-Jesu-Krankenhaus Dernbach

"Es begann mit heftigen Schmerzen im Bauch und Rücken. Ich konnte mich kaum noch bewegen. Doch es war am Wochenende, ich wollte keinen Notarzt aufsuchen und habe daher noch abgewartet", berichtet Therese Böhme. "Außerdem ist dieser Schmerz vor wenigen Wochen schon einmal aufgetreten und von alleine wieder abgeklungen."

Die Diagnostik mit Ultraschall und Computertomograph im Herz-Jesu-Krankenhaus Dernbach in der Folgewoche ergab jedoch, dass die 82-Jährige einen großen Schutzengel besessen haben muss. Denn die Schmerzen stammten von einem angerissenen Bauchaortenaneurysma, einer akut lebensbedrohlichen Erkrankung.

Im Falle der Wölferlingerin wies die Diagnose noch eine besondere Herausforderung hinsichtlich der Therapiemöglichkeiten auf. Das Aneurysma war an einer schwierigen Stelle lokalisiert, knapp unterhalb des Zwerchfells, also an der Grenze zwischen Brust- und Bauchraum. Für einen eventuellen offen-chirurgischen Eingriff würde diese die Eröffnung zweier Körperhöhlen bedeuten, des Bauch- und des Brustraumes, die durch das Zwerchfell voneinander getrennt sind. Zudem zweigen von diesem Abschnitt der Bauchaorta mehrere Gefäße von unterschiedlichen Stellen ab, u.a. zur Versorgung der Bauchspeicheldrüse, des Zwölffingerdarms, des Darmes sowie der Nieren. Durch diese Lokalisation ist die offen chirurgische Versorgung des Aneurysmas mit einem sehr hohen Risiko behaftet.

"Wir haben uns aufgrund der Gesamtsituation für eine endovasculäre Vorgehensweise entschieden", erläutern Dr. Wolfgang Lante, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, und Dr. Ralph Wickenhöfer, Chefarzt der Klinik für Interventionelle und konventionelle Radiologie im Herz-Jesu-Krankenhaus. "Dafür sind neben einem qualifizierten gefäßchirurgischen Team eine entsprechend modern ausgestattete Interventionelle Radiologie und das dazugehörige Team zwingende Voraussetzung."

Der überragende Vorteil des endovaskulären Verfahrens ist seine geringe Belastung für den Patienten. Die gesamte Therapie erfolgt mittels Katheter, diese werden durch kleine Schnitte mit Freilegung der Leisten- und Achselarterien in den Körper eingebracht. Über diese Katheter agieren die Ärzte mit ihrem gesamten Instrumentarium. Außerdem muss während des gesamten Eingriffes eine detailgenaue und hochauflösende Kontrolle gewährleistet sein. So wird jede Katheterbewegung mittels Durchleuchtung genau beobachtet und sicher gesteuert.

Der Umgang mit dieser aufwändigen Medizintechnik erfordert viel Erfahrung. Bei Therese Böhme wurde eine schlauchförmige Prothese über einen der Katheter eingebracht, um den Blutstrom durch die defekte Bauchaorta wieder sicher herzustellen. Die ist mit vorgefertigten Abzweigungen ausgestattet, die Stück für Stück mittels dünner Lenkungsdrähte an die richtigen Positionen geführt werden müssen. Für jede einzelne Abzweigung muss eine zusätzliche Verlängerungsprothese positioniert und an die intakten Gefäße angeschlossen werden. Damit wird quasi ein neuer Gefäßbaum mit den entsprechenden Abzweigungen rekonstruiert, über den die Durchblutung der Bauchorgane sowie der nachfolgenden unteren Körperabschnitte wieder gewährleistet ist.

Therese Böhme hat die rund siebenstündige Operation gut überstanden, auch dank der erfahrenen Anästhesisten, die die Narkosetiefe über die gesamte Dauer des Eingriffes sicher kontrolliert haben. "Ein besonderer Dank gilt auch dem gesamten Team der Intensivmedizin, die Frau Böhme vor der Behandlung kompetent stabilisiert und auch psychisch hervorragend betreut hat", ergänzt Dr. Lante.

"Bereits am zweiten Tag nach dem Eingriff wollte ich wieder nach Hause, weil ich mich wieder so gut gefühlt habe", erklärt die reiselustige Dame. Wenige Wochen zuvor hatte sie Italien mit dem eigenen Auto bereist und plant für die nächste Zeit schon wieder eine Reise nach Kroatien oder Kitzbühel.

Zum Bild: Nach rund siebenstündiger Operation eines Bauchaortenaneurysmas schnell wieder fit: Therese Böhme mit "ihren" beiden behandelnden Chefärzten des Herz-Jesu-Krankenhauses Dernbach (von links: Dr. Ralph Wickenhöfer, Chefarzt der Klinik für Interventionelle und konventionelle Radiologie, Therese Böhme nach ihrer endovaskulären Therapie, Dr. Wolfgang Lante, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie)

Aneurysma

Bei einem Aneurysma handelt es sich um eine krankhafte Erweiterung eine Arterie. Dabei ist die Gefäßwand sackförmig aufgedehnt. Dies verursacht in der Regel keine Symptome und wird vielfach nur als Zufallsbefund gefunden. Das Risiko eines Bauchaortenaneurysmas besteht darin, dass mit dem Platzen oder Reißen ein großer Blutverlust verbunden ist, der Patient kann innerhalb kurzer Zeit verbluten. Ursächlich sind überwiegend degenerative Gefäßwandveränderungen für die Entstehung eines Aneurysmas verantwortlich.

Aneurysmen kommen auch bei den Arterien, die das Gehirn versorgen, vor. Dabei kann die raumfordernde Gefäßerweiterung Lähmungserscheinungen verursachen. Schlaganfälle oder Hirnblutungen sind die Folge des Einreißens eines solchen Aneurysmas. Auch hier besteht Lebensgefahr.

Interventionelle Radiologie

Schon lange bekannt ist die konventionelle Radiologie, die mit ihren verschiedenen bildgebenden Verfahren, wie Röntgen, CT und MRT, die Diagnosefindung der anderen Fachdisziplinen unterstützt.

Relativ neu ist die Interventionelle Radiologie, die auch selbst aktiv therapeutisch arbeitet.

Unter detailgenauer Bildsteuerung werden beispielsweise verengte Blutgefäße erweitert und nötigenfalls mit einem Stent abgesichert (z. B. verengte Halsgefäße, Durchblutungsstörungen der Beine, prothetische Therapie von Aneurysmen). Auch das Gallengangsystem wird in der Interventionellen Radiologie erfolgreich behandelt, wenn hier beispielsweise ein tumoröser Verschluss vorliegt. Im Falle von (Leber-)Metastasen sorgen Interventionelle Radiologen sowohl dafür, dass Chemotherapeutika oder Hitzewellen (Radiofrequenzablation) direkt zum Tumorgewebe gebracht werden als auch dass die das Krebsgewebe versorgenden Blutgefäße verschlossen werden. Ziel ist es, die bösartigen Krebszellen zu zerstören.

Einer der Vorteile der Interventionellen Radiologie besteht in ihrer äußerst geringen Belastung für die Patienten. Ohne große Operationsherde verlaufen die Heilung der winzigen Punktionsstellen und die Genesung sehr schnell.



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