Träger warnen vor dem Kollaps

14. Juni 2024

Aktionswoche der Freien Wohlfahrtspflege in NRW

Der Arbeitsmarkt ist leergefegt, die Pflegeteams unterbesetzt und entsprechend überlastet. Um die Pflege zu sichern, muss vieler Orts zu teure Leiharbeit eingekauft werden. Das bringt die Träger in finanzielle Schieflagen. „Davon sind wir in unseren Einrichtungen zum Glück noch nicht betroffen“, sagt Josef Aretz, Einrichtungsleitung ViaNobis – Die Seniorenhilfe. Die Mängelliste in der Pflege wird immer länger und es ist nicht absehbar, dass sich die Situation verbessert. Im Gegenteil: Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Zahl der Pflegebedürftigen weiter ansteigen und es werden immer mehr Pflegekräfte benötigt.

Um auf die massive Problematik im Pflegesektor aufmerksam zu machen, rufen die Wohlfahrtsverbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW vom 10. bis 14. Juni 2024 zur landesweiten Aktionswoche auf. Unter dem Motto „Black Week – Gegen den Ausverkauf der sozialen Landschaft in NRW! NRW bleib sozial!“ wollen die Träger einen weiteren Appell an die Politik richten und öffentlich deutlich machen, dass es so nicht weitergehen kann.

„Weder der Bund noch die Länder oder Kommunen bemühen sich, eine gesicherte gesetzliche Struktur der Pflege zu entwickeln“, so Josef Aretz. Das sei nicht nur für die Mitarbeitende belastend, sondern auch für diejenigen, die auf Pflege angewiesen sind. Denn die Kosten steigen Jahr für Jahr und somit die Eigenanteile. „Uns liegen Schätzungen vor, dass bis 2026 in Deutschland 36 Prozent der Heimbewohner Sozialhilfe empfangen werden“, weiß Aretz.

Um diesen fatalen Trend zu stoppen, müsse die Pflegeversicherung von einer Teilversicherung in eine Vollversicherung umgebaut werden, in die jeder einzahle.

Zudem sei ein Bundeszuschuss nötig, damit die Eigenanteile nach oben gedeckelt werden und nicht weiter steigen.

Was passiert, wenn nichts passiert? Dann werden dringend benötigte Pflegeplätze wegfallen. Ambulante Dienste und Seniorenzentren können gar nicht anders, als Angebote zu reduzieren oder sogar zu schließen.

Im vergangenen Oktober sind rund 25.000 Mitarbeitende und Betroffene dem Aufruf der Freien Wohlfahrtspflege gefolgt und haben vor dem Landtag gegen den Sozialabbau demonstriert. Doch eine Reaktion der Politik blieb bisher aus.

„Nicht nur der Pflegebereich – die gesamte soziale Infrastruktur in NRW steckt in einer bedrohlichen Krise und wird von der Landespolitik ignoriert“, betont Aretz. Es werde höchste Zeit zu handeln, um die soziale Versorgung der Menschen in NRW zu sichern.



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